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Meet Your Artists

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OFFENE ARTELIERS 2022

Meet Your Artists

Von Redaktion, 20. Sept. 2022

67 ARTEliers waren in diesem Jahr in Oldenburg wieder für neugierige Gäste geöffnet.

72 Künstler:innen stellten sich in diesem Jahr mit ihren Arbeiten und Arbeitsräumen vor. Eine bemerkenswerte Anzahl, die einmal mehr zeigt, wie stark die bildende Kunst-Szene in Oldenburg und umzu ist.

Wir haben uns ein paar Ateliers in der Stadt herausgepickt, um euch einen kleinen Eindruck dieser wunderbaren Veranstaltung zu geben. Nächstes Mal setzen wir den Fokus vielleicht auf die Region um Oldenburg. Denn unser Ausflug hat Lust auf mehr gemacht.

Zuallererst führte uns unser Weg am Sonntagmittag nach Etzhorn, zur Alten Brennerei Hilbers, der bekannten Ateliergemeinschaft im Norden Oldenburgs.

Bei wunderschönem Herbstwetter, zwischen duftenden Pferdeställen und großen alten Bäumen ein wunderbarer Start in unseren Kultur-Ausflug.

Wir gelangten durch den ehrwürdigen Eingangsbereich mit dem alten Ofen in die Ateliers von Ingrid Bartel-Karsten (Malerei), Beate Kuchs (Glaskunst), Beate Lama (Malerei) und Christa Müller (Bildhauerei).

Im ersten Stock begeisterten uns besonders die Arbeiten von Svetlana und Andrey Gradetchliev:

Stimmungsvolle, fast schon melancholische Malereien von nächtlichen Szenen an mal bekannten, mal unbekannten Orten Oldenburgs, sowie eindrucksvolle, düstere Grafiken waren hier zu sehen. 

Dem gegenüber standen die farbenfrohen Aquarelle von Svetlana Gradetchlieva, sowie ihre verspielten Kalenderblätter, die sie jahrelang täglich bemalt und ausgeschmückt hat.

Dazwischen immer wieder der tolle Ausblick in den Hof und in die Weite.

Leider hatte das Cafe noch zu und es fing an zu regnen. Also stiegen wir ins Auto und verabschiedeten uns von diesem schönen Ort.

Wir fuhren weiter zum Atelier Martha am Hackenweg zu Theo Haasche und Petra Jaschinski.

Ein Atelier, wie man es sich vorstellt: vollgestopft mit bemalten Leinwänden und anderen Werken der letzten Jahrzehnte; CD-Sammlung, mit Farben bekleckster Boden, Weingläser, benutzte Kaffeetassen, Neonlicht, der Geruch von Ölfarbe, Gemeinschaftsküche (in der ein sehr einladendes Kuchenbuffet aufgebaut war) und an diesem Sonntag außerdem viele Menschen. 

Besonders faszinierten uns die Selbstportraits von Theo Haasche. Sehr rau und trotzdem sehr verletzlich und persönlich. 

Nach einem Stück Kuchen und einer Zigarette ging es schon wieder weiter Richtung Innenstadt. Unser nächstes Ziel sollte Stephanie Ritterhoffs Stickatelier in der Auguststraße sein.

Ihr Atelier wiederum war ein ganz besonderes Kleinod, ganz anders als die Ateliers, die wir bisher besucht hatten und doch in einem Punkt gleich: es ist hauptsächlich eine Sammlung. Eine Sammlung von Materialien, Schnipseln und Ideen, die vielleicht irgendwann ihren Moment haben werden.

Im Gegensatz zu den Maler-und Bildhauer-Ateliers, die wir besucht hatten, war es hier sehr sauber und aufgeräumt. Das lag vermutlich zum einen an den Materialien, welche hier verarbeitet werden, zum anderen an der überschaubaren Größe des Raumes und an Stephanies präziser Arbeitsweise. Chaos und Unordnung wären hier sicherlich nicht förderlich…

Das kleine Atelier befindet sich in ihrer Wohnung, hat einen tollen Ausblick in den Garten hinter dem Haus und besteht hauptsächlich aus zwei Arbeitstischen, einem Regal voller Kästchen und Dosen, die vermutlich Garne und andere Materialien enthalten und einer Pinnwand voller Ideenskizzen und anderen gesammelten, humorvollen Werken.

Hier war es ruhig und das Licht kam indirekt von Norden durch den großen Garten.

Auf Stephanies Arbeitstisch lagen wunderschöne Skizzenbücher voller Muster, Materialproben und Ideen.

Den zweiten Arbeitsplatz im Atelier bildete der Sticktisch, der mit einem Tuch bespannt war, das so fein war, dass man fast eine Lupe benötigte um darauf zu sticken.

Neben sehr ausgefallenen Auftragsarbeiten erschafft Stephanie Ritterhoff zum Beispiel kleine Objekte in Petrischalen, als wären es organische Lebewesen, fast lebendig erscheinende, schillernde Libellen und andere Insekten oder täuschend echte Blütenblätter. Mal sind es auch winzige Details, mit denen sie große Vorhänge oder Möbel ergänzt.

Papas sind nicht immer schön!

Ja, das kann man mal so stehen lassen….

Unsere letzte Station am Ende des Tages war das Stau blau Atelier. Hier arbeiten zur Zeit Kathrin Schöß (Malerei/Zeichnungen/Plastik), Pino Polimeno und Wim Heesen. Außerdem waren in der Galerie im Obergeschoss die Zeichnungen von Marion Angulanza zu sehen.

Im Souterrain des Hauses besuchten wir Pino Polimeo. Der in Kalabrien aufgewachsene Künstler schafft kleine modellartige Räume nach Erinnerungen aus seiner Kindheit.

Sein Atelier war nicht sehr groß, aber dafür um so voller mit gesammelten Gegenständen, die ordentlich in Regalen verstaut waren oder auf überladenen Arbeitstischen standen.

Stolz präsentierte er seine Sammlung von historischen Rasierklingenverpackungen, ähnlich einer Briefmarkensammlung in einem extra angefertigten Album.

An den Wänden hingen seine Arbeiten, hauptsächlich dreidimensionale kleine Modelle von Räumen aus seinen Erinnerungen aus der Kindheit, meist von innen beleuchtet und sehr verträumt.

In der Mitte eine große Arbeitstisch-Insel, voller Farbtuben und -Flaschen, Werkzeugen und angefangenen Arbeiten.

Sein Atelier war sehr liebevoll mit den verschiedensten Objekten bestückt. Dadurch strahlte der Raum eine einladende Wärme aus. Und so blieben wir, nicht nur wegen des nächsten Schauers, noch gerne auf einen Espresso und ein paar Geschichten…

Gerne würden wir die Ateliers, die wir heute gesehen haben, einmal unangekündigt besuchen, denn bei den meisten Künstler:innen ist es vermutlich niemals so aufgeräumt wie heute. Wir können da aus eigener Erfahrung sprechen…

 

Als Fazit des Tages können wir sagen, dass Oldenburg eine sehr große und vielfältige Künstler:innen-Szene hat. Wir wurden sehr herzlich empfangen und es gab viel Austausch, gute Gespräche und viele schöne Entdeckungen.

Wir haben nur einen kleinen Ausschnitt davon gesehen und trotzdem fällt uns auf, dass die meisten bildenden Künstler:innen, oder jedenfalls die, welche das Glück haben, ein Atelier zu haben, alle schon eine gewisse „Lebenserfahrung“ haben.

Wo sind all die Kunstschaffenden, die unter 40 Jahre alt sind? Werden sie für diese Veranstaltung nicht angefragt? Oder liegt es am erschütternden Mangel an bezahlbarem Raum in Oldenburg, dass nur sehr wenige sich ein Atelier im klassischen Sinne leisten können?

Wenn es sie doch gibt, wo arbeiten sie?

Bericht: Clara Kaiser, Redaktion Oldenburger-Portal